Montag, 3. Dezember 2012

01.-03. Dez. Golfo de Ancud

- Date 03.12.2012 Time 20:00
- de Puerto Montt a Valdivia
- posición 42°03.31'S 072°37.21'W (fondeado Canal Zapatero)
- próximo Puerto: Valdivia
- ETA 20.12.2012 17:00

Heute ist Montag und wir sitzen seit 3 Tagen im Regen.
Am Freitag haben wir den Club Nautico Reloncavi bei Sonnenschein verlassen, um zu den heißen Quellen auf die 44nm entfernte Isla Llaneahue zu segeln und den Autopilot zu testen.
Der Test ist 100m vom Liegeplatz schnell gemacht. Der Autopilot hüllt sich in Schweigen und gibt nicht einen Piepser von sich.
Neulich im Hafen funktionierte er noch. Na schön, wir werden am Ankerplatz also nicht ohne eine Aufgabe sein: Kabel- und Anschlußverfolgung durch das halbe Schiff.
Wir erreichen die kleine Isla Queullin am späten Nachmittag. Die liegt etwa auf halber Strecke zu den heißen Quellen. Überall regnet es, außer über diesem Inselchen. Wir entscheiden zu bleiben und ankern auf 9m, leider Gerölluntergrund. Der Anker hält trotzdem, wir genießen den Abend, alles ist bestens.
Doch der Schein trügt.
In der Nacht schrecken wir hoch, als das Schiff wie wild stampft. Der Wind hat gedreht und es hat sich eine schneidige Welle aufgebaut, die Anico auf- und abbtanzen läßt. Ein Anker-auf Manöver schließen wir aus, denn der Anker oder die Kette hat sich im steinigen Untergrund verklemmt. Diesmal wollen wir beides nicht kampflos opfern. Michael übernimmt die erste Ankerwache. Doch es dauert nicht lange, und ANICO wird mit lautem Krachen um 90° nach Backbord geworfen. Ich springe aus der Koje direkt in mein Regenzeug. Michael hat sofort den Motor gestartet, fängt das Boot ab, dreht es wieder in den Wind und ruft nach mir.
Ist die Kette gerissen, oder hat sie sich, durch das auf und ab in den Wellen, aus der Verklemmung gelöst?
In dieser Nacht scheint glücklicherweise der Mond und spendet durch die Wolkendecke etwas Licht, sodass wir nicht völlig im Dunkeln tappen.
Mit Motorkraft geht es gegen Welle und Wind, um die Ankerkette ohne Belastung wieder an Bord zu bekommen.
Stück für Stück, und schneller als erwartet, erhalten wir unser komplettes Ankergeschirr zurück, und ein zweites Marokko bleibt uns erspart.
Der Motor schafft es gegen Welle und Wind und die Steuerfrau kann sich langsam vom gefährlichen, felsigen Land entfernen. Wir laufen hinter die schützende Festlandzunge, wo weder Welle noch frostiger Wind peitscht.
Vier Stunden später, nach einer dann sehr ruhigen Segelnacht, es ist sieben Uhr morgens, erreichen wir obigen Ankerplatz im Kanal Zapatero. Uns kommen überraschenderweise Eva, Hans, Lola und Luca mit ihrer Kamiros entgegen. Sie setzen gerade Segel, um für ein paar Monate in die wunderbare Welt der Gletscher Südpatagoniens einzutauchen.
Wir hingegen starten das Projekt Fehlersuche Autopilot und werden tatsächlich fündig. Kontakte im Steuercomputer finden nicht zueinander und lassen das Bedienteil stumm bleiben. Kontaktspray drauf, alles wieder zusammenschrauben, testen, rütteln, testen, Betten wieder zusammen bauen, nochmal testen, ja funktioniert noch!
Nun warten wir in aller Ruhe auf trockenes Wetter für eine Probefahrt.

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Mittwoch, 31. Oktober 2012

Puerto Montt

Puerto Montt vor den Vulkanen Osorno 2.652m (li) und Calbuco 2.003m (re)



Montag, 8. Oktober 2012

Antofagasta - La Serena - Valparaiso - Santiago

Wir verlassen Argentinien und überqueren erneut die Anden. Über 4.000m hohe Berge, 200km Hochebenenwüste und sechszehn Stunden Busfahrt. Die Berge sind teilweise so unnatürlich grün durch die Kupferoxydation, dass man glaubt einen Film zu sehen. Hier liegt Mine an Mine und an der Küste wird verladen.
Auf 2.400m liegt der Grenzposten San Pedro de Atacama. Kein Baum, kein Strauch. Nur Sand, Sand, Sand.... In San Pedro steigen die meisten Busreisenden aus. In der Regel junge Backpacker aus aller Welt, wobei wir in letzter Zeit unglaublich viele deutsche junge Frauen, darunter viele Alleinreisende, treffen.
Auch wir hatten San Pedro ins Auge gefasst, aber Staub und Wüste haben wir nun genug gesehen, und sind weiter nach Antofagasta gefahren. Wir wollen uns den Hafen ansehen. Eventuell segeln wir noch hoch auf diese Breiten.
Antofagasta hatten wir uns kleiner und grauer vorgestellt. Es entpuppt sich aber als saubere, wohlhabende Stadt. Dies bestätigt uns auch Karl, der vor 20 Jahren mit seiner Familie nach Chile ging und seither erfolgreich drei Restaurants betreibt. Der Yachthafen allerdings, gefällt uns nicht, um hier Station zu machen.
In La Serena ist es wieder richtig gemütlich und familiär. Neben der wunderbaren Stadt auf dem Berg ist es im El Arbol like Home away from Home, und Juanita - die Seele des Hauses - macht jeden Aufenthalt perfekt. 
Wir treffen auch hier fast ausschliesslich deutschsprachige Gäste. Thorsten, Übersetzer aus Hamburg, ist mit seiner Kawasaki auf Weltumrundung und Astronom Christoph schreibt an seiner Doktorarbeit in La Silla und Paranal .
Pelikane und Seelöwen  
Wir besuchen die Sternwarte Mamalluca, werden am Hostel abgeholt und erhalten Einblicke in den Himmel der Südhalbkugel. Endlich weiss ich, wie ich das Kreuz des Südens finde.
Die Sternwarte empfiehlt ein tolles Programm: Stellarium, total interessant!
Ein kleiner Ausflug nach Coquimbo mit dem Bus und schon sind vier Tage wieder um.

Susana aus dem El Arbol empfiehlt uns ein Hostel in Valparaíso, reserviert das Zimmer und bestellt das Taxi, das uns dort am Busbahnhof abholen soll.
In nur sieben Stunden wechseln wir die Stadt und das Bett. Leider ist das Taxi nicht am Bahnhof und wir warten eine dreiviertel Stunde. In der Zeit macht Michael die Adresse des Bed&Breakfast The Yellow House ausfindig, denn wir haben uns diesmal ganz und gar auf die Chilenen verlassen und uns die Anschrift nicht notiert, upps..
Wir residieren auf einem der 45 Hügel in dem quietschgelben Haus, mit einem spektakulären Blick auf die Bucht, die Stadt und den Hafen. Dort werden Tag und Nacht Container verladen, die uns wieder an zu Hause erinnern: Hamburg Süd! Lissette und ihr australischer Ehemann Martin betreiben das B&B mit Herz und Verstand.
Es bleibt Zeit für einen kleinen Kochkurs mit Boris. Chilenische Küche: Fisch in einer Zitronen-Öl Salsa, Empanadas und Pastel de choclo. Sehr lecker alles. Pisco Sour darf natürlich nicht fehlen - auch dieser selbst gemixt. Stephanie aus Paris und ich hatten mit unserem Koch sehr viel Spaß und einen Guten Appetit!

Ein paar Kilometer nördlich von Valparaíso liegt Con Con. Hier soll ein sicherer Yachthafen sein, den wir uns noch ansehen, denn  es gibt für Segler kaum geschützte Häfen an der chilenischen Küste. Tatsächlich entpuppt sich die Marina als sicherer Unterschlupf.

Nur 100km entfernt liegt Santiago. Es ist kühl und sehr regnerisch dieser Tage. Heute verbringen wir lesend im Goethe-Institut, und ich schreibe noch schnell auf einer deutschen Tastatur am Blog. ;o)
Morgen kommt Arturo und bringt uns unser Gepäck, der Gute. Seit Anfang September bewahrt er unsere Habe bei sich auf. Morgen Abend werden wir den Nachtbus zurück nach Puerto Montt nehmen.
Dort wird ANICO wieder fit gemacht für die Weiterreise.