Freitag, 10. Juli 2015

Zeit in Fulaga

24.06.15 SULU TIME

Insekten auf einem Farn -getarnt
bei Chief Besi zum Sevusevu
fünf Boote müssen heute ihren Kava oder auch Yaqona, eine Pfefferwurzel, beim Chief (Besi, 84) im Hauptdorf Muana-i-cake abliefern. Da er selbst kein englisch spricht, wird sein "Assistent" Tai übersetzen. Die Sevusevu Abgabe ist ein Muss und alte Tradition, um in einem fidschianischen Dorf akzeptiert zu werden, in seinen Gewässern ankern zu dürfen, fischen zu gehen oder Kokosnüsse zu sammeln. Geht man ins Dorf, sollten Frauen vorzugsweise einen Rock, Pareo oder Sulu tragen. Auf jeden Fall aber Knie und Schultern bedeckt. Für Männer gibt es Extrapunkte, wenn sie ebenfalls im Sulu erscheinen. Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen sind beim Betreten des Dorfes abzunehmen.
Die Zeremonie sollte eigentlich das Pulverisieren der Kavawurzel und das "Brauen" des Kavas mit anschließender Verkostung beinhalten. Hier in Fulaga ist das scheinbar anders. Nix Kava - zum Teufel mit der Tradition - hier ist man bereits in der freien Marktwirtschaft und im Tourismus angekommen, obwohl in den Fijiguides noch von unberührt und traditionell die Rede ist. Pro Boot bitte einmal Ankergeld: 50,00 Fijidollar . Das Geld fließt in die Gemeindekasse, immerhin.
Der Chief reicht noch Gästebücher und Fotos herum, in denen wir die Gipsy4 und Spruce entdecken. Dann werden wir von Tai zu unser Gastfamilie gebracht.
Im Küchenhaus warten Coro, Lisa, Watti, Ba und Tui. Coro und Tui sind Geschwister. Tai ist ein weiterer Bruder der beiden. Watti ist Coros Cousine, also müsste sie auch die von Tui und Tai sein.... aber so ganz sind wir in den 3 Wochen Fulaga nicht durchgedrungen. Coro hat Pancakes, Brot und Tee für uns zubereitet. Es wird erwartet, dass wir kräftig zulangen. Nur die beiden Männer Tui (28) und Tai (älter) essen mit uns; (im Schneidersitz, auf dem Boden, um eine rot/weis karierte Tischdecke). Die Frauen sitzen entfernt vom Tischtuch an den Wänden oder in den Türrahmen. Da wir von SY-Maunie in etwa wussten, was auf uns zukommt, haben wir Zucker als Mitbringsel und Dankeschön mitgebracht.


27.06.15 FISCHEN
mit drei Dinghis und zwölf Personen gehen wir heute morgen zum Fischen in die Lagune. Die Frauen aus dem Dorf: Gele, Nessi, So, Salote und Aliote sind "bewaffnet" mit Taucherbrille und Schnorchel. Gefischt wird mit einem etwa 10-15m breiten Netz in noch knietiefem Wasser. Sobald Fische gesichtet werden kreisen wir sie ein. Das Netz wird um den Schwarm herumgespannt. Erst ein Halbkreis, dann
immer enger, während wir anderen von der Landseite soviel Lärm im Wasser machen, der die Fische ins Netz treiben soll. Klappt nicht immer! Aber wir hatten viel viel Spaß. Am Nachmittag hatten wir bestimmt drei Dutzend mittlere und kleine Fische, einen kleinen Hai und einen Stachelrochen. Alles wird noch am Strand geputzt, ausgenommen und verteilt. Vier Stunden im Wasser stehen reicht auch, wenn man keinen Tauchanzug trägt. Die Frauen gehen in ihrer normalen Kleidung ins Wasser und frieren auch leicht, denn die Luft ist kühler als das Wasser. Im Übrigen ist es hier zwar grade Winter, aber frieren in Fidschi hätte ich auch nicht erwartet. Ist aber so... Wir haben alle Anzeichen für ein El Nino Jahr.

28.06.15 KIRCHE KIRCHE KIRCHE UND LUNCH
natürlich gehen wir am Sonntag mit in die Kirche, ein einfaches, renovierungsbedürftiges Gebäude. Jungs und Männer diesmal im Sonntags-Sulu. Mit Schlips gibts Extrapunkte fürs Outfit. Die Kirche ist voll und gesungen wird im Chor oder Solo von den Bänken. Pastoren in D hätten ihre Freude.
Die Messe wird in der Landessprache abgehalten. Zu Ehren der Gäste, hält der Pastor eine kurze Ansprache in englisch.
Vor 100 Jahren noch Kannibalen, heute ein liebenswertes, friedliches Volk. (http://www.heretical.com/cannibal/fiji.html)
Trotz Fragen haben wir wenig über die Vergangenheit der Menschen erfahren können. Selbst über die noch sichtbaren Spuren der Briten können die Dorfbewohner keine Auskunft geben.
Nach der Kirche hat unsere Gastfamilie Lunch vorbereitet. Neben Reis und Kasava-Kokosbällchen gibt es Kürbisgemüse mit Nudeln, Hühnercurry und eine Art Grünkohl mit Zwiebel in Kokossauce. Alles war lecker, auch der Tee aus Regenwasser mit Limettenblättern. Wir haben Besteck. Alle anderen essen mit den Fingern. Als Dankeschön haben wir Zucker und Kümmel mitgebracht. Tui erzählte uns, dass Gewürze knapp sind in der Küche.

29.06.15 WEBEN UND WEITBLICK
jeden Montag sitzen die Frauen von Muana-i-cake im Gemeindehaus und weben Teppiche oder flechten Körbe. Heute dürfen wir Yachtiefrauen auch dabei sein. Mithilfe von Gele webe ich tatsächlich eine kleine Matte aus Pandanuss. Mittags werden wir sogar mit Lunch verköstigt. Manchmal ist es fast beschämend für uns Touristen, wie selbstverständlich hier alles geschieht und geteilt wird. Und das, obwohl das Cargoschiff mit allen wichtigen Grundnahrungsmitteln seit über einem Monat nicht mehr hier war. Mehl, Zucker und Trockenmilch sind sehr knapp geworden.
Nach dem Mittagessen ist 2 Stunden Siesta. Danach geht es mit dem täglichen Volleyball spielen weiter. Die Fulaganer sind echt gute Spieler.
Ich nutze die Mittagspause und das schöne Wetter, um auf den höchsten Punkt der Insel zu klettern. Michael war heute vormittag hier, hatte aber deutlich schlechtere Lichtverhältnisse. Der Ausblick von hier oben ist grandios. Fulaga ist wirklich eine Perle und die Menschen hier sind einfach der Hammer. Kaum zu glauben, dass man vor 100 Jahren noch aufpassen musste, nicht im Kochtopf zu landen.

01.07.15 PICKNICK AM SANDSPIT
schon früh am Morgen kommen die Locals mit ihrer Lancha angefahren. Die Frauen gehen fischen und Mudkrabben sammeln, flechten Teller aus Palmblättern und decken den Tisch für das Picknick. Kokosnüsse werden graspelt und Feuer entzündet. Von Morgens bis Nachmittags ist viel los am Sandspit Ankerplatz. Brot und Krabben im Erdofen, Fisch auf dem Feuer, Potluck von den Seglern.
Alles frisch und so lecker. Am Ende werden die Teller verbrannt. So auch ein Teil des bewachsenen Sandspits. Angeblich soll hier eine Marina entstehen.

So vergehen die Tage wie im Flug und es wird bald Zeit für uns dieses kleine Paradies zu verlassen.
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