Dienstag, 13. März 2012

blendendschön und brandgefährlich

nach dem Überqueren des Golfo de Penas konnten wir uns, wegen des schwachen Windes, der enormen Dünung und der gegen die Küste laufenden Stömung, nur noch schwer von Land freihalten. Querab von uns liegt ein kleiner Fjord, in dem Fischer vor Sturm Schutz suchen. Durchs Fernglas konnten wir ausmachen, wie die enorme Dünung als hohe Brandungswelle am Fjordeigang zerschellt. Konnten wir es wagen einzulaufen? Wir beobachteten die Mündung ca. eine Stunde im vorbei fahren. Wir hatten noch 60 nm Felsenküste neben uns, und die Nacht nahte, bevor wir wieder schützendes Binnengewässer erreichen würden. Die Strömung und Dünung war gegen uns und der Wind, als treibende Kraft, hatte uns verlassen. Die Wettervorhersage hatte das Gegenteil vorausgeweissagt. Auch der Maschinenraum meldete, dass selbst mit ihm nicht mehr als max. 3 Knoten Speed drin sind, um uns von der Küste freizubekommen. Da beginnt man zu sinnieren: was ist eigentlich wenn der Motor aussetzt? Genau! Selbst die Rettungsinsel bietet uns keinen Schutz und würde in der Brandung aufreissen und an den Felsen zerschellen. Zu allem Überfluss kommt noch, dass es eine Steilküste ist. Die Entscheidung wurde uns also diktiert: Wir müssen da rein und du, Motor, halt schön durch. Dreimal hatte er nämlich vorher schon, wegen verschmutztem Dieselkraftstoff, plötzlich seinen Geist aufgegeben. Wir haben zwar inzwischen eine umschaltbare Doppelfilteranlage, aber das Motorschicksal kann auch anderweitig zuschlagen. Ruder gelegt, und unter Segel und Motor sind wir den Fjord angegangen. Wie man sieht, haben wir es unbeschadet geschafft. Aber, der Tag war noch nicht zu Ende: kaum im Fjord, erkannten wir ein neues Drama. Bei der Suche nach dem Ankerplatz, sehen wir am Strand ein komisches rosafarbiges Etwas.
Beim näher kommen erkennen wir den Kadaver eines Wales. Je weiter wir zu unserem Ankerplatz in den Fjord hineinfahren, um so mehr tote Wale sehen wir im Wasser treiben oder an Land liegen. Erstaunlich, alle in einer Grösse zwischen 8-12m. Was hat sich hier abgespielt? Wieso kommen so viele Wale in diesem kleinen Fjord zu Tode? Ein Walfriedhof, oder ist Menschenhand im Spiel?
Heute sollen wir die Wahrheit erfahren. Es laufen 5 Fischerboote zu unserem Ankerplatz, um Schutz vor dem heraufziehenden Sturm im Pazifik zu suchen. Auf unsere Frage, wegen der vielen toten Wale im Fjord, antworten sie uns, dass es sich um Babywale handelt, die von Orcas gejagt und getötet wurden.

Wir durchfahren hier ein Gebiet von über 2.000km Längenausdehnung, mit seinen einmaligen Naturschauspielen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, haben hier Menschen nicht dauerhaft gesiedelt. Bis auf ein paar Fischerboote, die von weither kommen, und ein paar Kreuzfahrtschiffen in den Hauptkanälen, ist uns keine Menschenseele begegnet. Alles unberührt und naturrein!
Plötzlich sind wir einem Kulturschock ausgeliefert: Unmengen von Zivilisationsmüll an den Ufern dieser Ankerbucht und in dem angrenzenden Regenurwald. Wo und wie kommt das Zeug hierher? Auch die Antwort liefern uns die zivilisationsfernen, netten und freundlichen Fischer. Für sie ist die Natur noch rau und unerschöpflich. Hausrat- und Gewerbemüll, überwiegend Plastik, wird vom Fischkutter direkt in die traumhaft schöne Bucht gekippt und umspült nun die Kadaver der von den Geiern angefressenen Wale. Man kann nicht an Gott oder dem Universum verzweifeln, dafür aber an uns Menschen.
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